„The Limits of Control“ - Das digitale Tagebuch von Bloggerin Laura Werner

Öffentliches Tagebuch oder Dauerwerbesendung? Mehr als 20.000 Personen lesen den Blog der Schülerin Laura Werner. Die 19-Jährige hat auch einen Hang zur Selbstdarstellung. Das ist allerdings eine der Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Blog
Foto: Lisa Johanna Thiele | 2015/2

Was ist deine Definition von einem Blog?

Mein Blog ist wie mein Tagebuch. Ich schreibe ehrlich über das, was ich erlebe und wie ich mich fühle. Auch möchte ich meine Meinung zu bestimmten Themen teilen. Üblicherweise ist ein Tagebuch nicht für jeden zugänglich. Siehst du es kritisch, so viel Privates von dir preiszugeben? Nein, denn ich stelle nichts online, was nicht jeder sehen darf. Als ich vor sechs Jahren mit meinem Blog anfing, hätte ich nicht gedacht, dass jemand meine Texte lesen würde. Ich wollte mit dem Blog einfach nur Themen und Situationen festhalten.

Obwohl du also dachtest, dass es niemand liest, hast du deine Texte online gestellt. Warum?

Weil ich schon wollte, dass Menschen mit den gleichen Problemen wie ich, die Möglichkeit haben, meine Texte zu lesen. Ich habe so auch das Feedback und die Zustimmung von Leuten bekommen. Zum Beispiel kann ein Mädchen aus München einen Post von mir kommentieren, aber wir würden uns wahrscheinlich im wahren Leben niemals kennenlernen. Dass man seine Meinungen einfach so austauschen kann, ist für mich ein weiterer Reiz am Bloggen und Veröffentlichen.

Siehst du einen Zusammenhang zwischen Selbstdarstellung und Bloggen?

Ich denke, das ist vom Thema abhängig. Ich finde, dass jemand, der sich selbst darstellt, sich nicht so zeigt, wie er in Wirklichkeit ist, oder sich in den Mittelpunkt rücken will. Das mache ich nicht. Ich versuche immer, ich selbst zu bleiben und würde auch nichts posten, das ich nicht hundertprozentig vertrete.

Du setzt dich für Outfit-Fotos selbst in Szene und machst viele Posen. Bist du im wahren Leben genauso wie auf diesen Fotos?

Ja, auf jeden Fall. Ich schaue auch nicht immer gestellt. Wenn ich zum Beispiel auf einem Foto lache, tue ich das auch wirklich in dem Moment. 

Bloggen ist mittlerweile ein Beruf. Verdienst du mit deinem Blog Geld?

Ja, Bloggen ist mein Nebenjob. Advertorials, bei denen ich keine Meinungsvorgaben habe, sind meine Haupteinnahmequelle. Affiliate-Links füge ich bei manchen Outfit-Posts ein. Wenn einer meiner Leser durch diesen Link das abgebildete Kleidungsstück kauft, bekomme ich eine Provision.

Und wie viel verdienst du mit deinem Blog?

Das ist unterschiedlich und immer von der Leseranzahl abhängig. Durchschnittlich verdiene ich pro Werbe-Post 1.200 Euro. Davon mache ich monatlich im Schnitt zwei oder drei. Ich habe auch eine Agentur, die mich vertritt und mir Aufträge verschafft. 

Was genau macht diese Agentur für dich?

Es gibt nicht sehr viele Blogger-Agenturen und die Aufnahmekriterien sind ziemlich streng. Meine Agentur bietet mich ihren Kunden an, damit zum Beispiel Kooperationen oder Advertorials mit mir zu Stande kommen. Bei einer erfolgreichen Vermittlung erhält die Agentur eine Provision.

Wie kam die Zusammenarbeit zu Stande?

Auf der Fashion-Week im Januar 2014 kam die Agentur auf mich zu. Eine Woche später habe ich mich dann bei ihr gemeldet. 

Dieses Jahr hast du dein Abitur gemacht. Was ist der nächste Schritt?

Mein Wunsch ist es, hauptberuflich Bloggerin zu sein. Zuallererst möchte ich aber an der Akademie für Mode und Design in Berlin Mode- und Designmanagement studieren. Mit dem Studiengang kann ich von der Planung bis hin zur Produktion in Unternehmen mitwirken. Ich möchte unbedingt im Modebereich bleiben. Ich denke, dass alles andere sich mit Kontakten und spontanen Angeboten ergeben wird.

Du postest sehr viel zum Thema Mode. Warum ist Mode für dich wichtig?

Ich habe mich schon immer für Mode interessiert. Durch Mode kann ich an meinem Aussehen und Auftreten sehr viel ver- ändern. Zum Beispiel sehe ich auf einmal mit einem Outfit ganz anders aus als am Tag zuvor. Wenn man auf der Straße läuft und etwas ganz Krasses anhat, bekommt man auch viel Aufmerksamkeit. Mit Mode kann man also auch polarisieren.

Also ist Aufmerksamkeit ein gewisser Reiz an Mode?

Ja, und die Tatsache, dass man sich jeden Tag neu erfinden kann.

Hast du ein bestimmtes Ziel, das du mit deinem Blog erreichen möchtest?

Nein, eigentlich nicht. Klar will ich, dass meine Leserzahl und Reichweite steigen, aber das kann ich nicht beeinflussen. Ich glaube, es gibt noch keine wirklichen Ziele, die man in der BloggerBranche erreichen kann. Obwohl sich in der Szene in den letzten Jahren viel verändert hat, ist der Beruf Blogger noch in der Entwicklung. 

Wie bekommt man am besten Follower?

Das werde ich oft gefragt und ich kann die Frage leider immer noch nicht beantworten. Ich glaube, es gibt dafür kein Geheimrezept. Man muss einfach nur das machen und darüber schreiben, was einem Spaß macht.

Hast du eine Erklärung dafür, dass du so viele Follower hast? 

In meiner Anfangszeit vor sechs Jahren habe ich viel Kritik abbekommen. Durch den Shitstorm wurden viele User auf mich aufmerksam. Also Glück im Unglück. Ich rate aber keinem, so etwas durchzumachen, nur um mehr Leser zu bekommen.

Also hast du schon schlechte Erfahrungen mit deinem Blog gemacht?

Ja, vor allem in der Anfangszeit war es schwierig. Meine Texte und Fotos wurden auf einem anderen Blog ins Lächerliche gezogen und Mitschüler grenzten mich aus. Es war schon krass. Mit 13 Jahren kann man das nicht so einfach wegstecken.

Ging das schon in Richtung Cybermobbing?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe aber trotzdem mit meinem Blog weitergemacht, weil ich ihn für mich mache. Ich wurde persönlich angegriffen und die Personen wollten mich verletzen. An manchen Tagen ging es mir zwar schlecht, aber ich dachte mir: ,Das, was ich mit dem Bloggen schon erreicht habe, wie Kooperationen mit großen Firmen oder die vielen Kontakte, die ich habe – das haben und schaffen die nicht.‘ Heute trifft mich so etwas nicht mehr so sehr wie früher. Im Nachhinein kann ich aber sagen: Ich bereue nichts und würde alles wieder genauso machen.

+++

Laura Werner betreibt den Blog „TheLimitsofcontrol“, seit sie 13 Jahre alt ist. Im Dezember 2014 erschien ihr autobiographisches Buch „The Limits of control – wie mein Blog mich erwachsen machte“. Darin berichtet sie über ihre Erfahrungen als Bloggerin, die nicht immer nur positiv ausfielen. 

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2015/2
Autor & Foto: Silke Brandt