Mit „Fabers Schatz“ von Cornelia Funke die Welt mit offenen Augen betrachten

Ein Interview mit der Kinderbuchautorin Cornelia Funke
Foto: Serge Hoeltschi | Collage: Martin O'Neill | 2017/1

Was hat Sie zu dieser Kindergeschichte inspiriert?

So ganz kann man das ja nie erklären, aber ich versuch es mal: Zum einen lud der ALADIN-Verlagsname zu einer Geschichte mit orientalischem Zauber ein. Zum anderen ist ALADIN in Hamburg zuhause, meiner alten Heimatstadt, mit der ich mich immer noch sehr verbunden fühle. Und schließlich sehen wir uns alle derzeit mit rassistischem und nationalistischem Den­ken konfrontiert und das in einer Welt, die eigentlich zunehmend international wird. Ich selbst lebe seit langem in den USA, einem Land, das sich durch Immi­gration definiert - auch wenn der derzeitige Präsident das gern anders sähe - und habe Leser in aller Welt, so dass ich mir eine Welt ohne Vielfalt nicht vorstellen kann und will. Natürlich wollte ich keine Geschichte schreiben, die predigt oder dem Leser eine Botschaft verkaufen will - ich fin­de das Lesern gegenüber sehr respektlos -, aber natürlich drücke ich in meinen Geschichten die Dinge aus, die mich bewegen. So wurde, ohne dass ich es beabsichtigte, aus der ALADIN-Geschichte auch eine Geschichte über Flüchtlinge, für die es kein schmerzlicheres Wort als Heimat gibt.

Shaima und Faber werden Freunde und lernen die Kultur und Sprache des jeweils anderen kennen. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach Interkulturali­tät bei der Kindererziehung?

Ich glaube, dass es derzeit zwei entscheidende Bildungsziele gibt: Kindern Offenheit für alles „Fremde“ beizubringen und sie erfahren zu lassen, wie sehr kulturelle Vielfalt uns bereichert. Sie ist der wahre Schatz auf dieser Welt. Aus demselben Grund sollte der Entfremdung unserer Kinder von allem „Nichtmenschlichen“ auf diesem Planeten entgegengewirkt werden. Die Erfahrungen mit der Natur und an­deren Kulturen können uns daran erinnern, dass alles auf diesem Planeten zusammen­spielt und kostbar ist.

Was ist die Hauptbotschaft, die sie mit dem Buch „Fabers Schatz“ Groß und Klein vermitteln möchten?

Oh, ich mag keine Botschaften, Hauptbotschaften schon gar nicht. Ich hoffe, dass Leser in dieser Geschichte das wiederfinden, was mich glücklich macht: Freundschaft, Abenteuer, die weite Welt, Liebe zu Menschen und all dem, was sonst so auf diesem Planeten lebt.

Können Sie uns schon verraten, was Fabers nächstes Abenteuer sein wird?

Da wird Faber dorthin reisen, wo sein Opa ist: nach Amerika. Genauer gesagt nach Malibu, wo ich inzwischen wohne.

Der zweite Teil „Fabers Reise“ erscheint im September 2017.

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Fabers Schatz

von Cornelia Funke

Illustration: Susanne Göhlich

ISBN-10: 3848901226

Alter: 36 Monate - 6 Jahre

 

 

 

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Als Fabers Opa nach Amerika zieht, erbt Faber seinen alten Teppich. Angeblich soll der fliegen können. Dazu soll Faber lesen, was auf dem Teppich steht. Aber der junge Hamburger sieht dort nur geheimnisvolle Muster. Vielleicht können ihm seine Freunde dabei helfen, diese mysteriösen Zeichen zu entziffern? Bei seiner Suche trifft Faber auf Shaima, einem Mädchen aus Damaskus. Sie zeigt auf den Teppich und sagt Worte, die Faber nicht versteht. Aber der Teppich versteht sie und fängt an zu fliegen. Gemeinsam entdecken sie die Magie des Teppichs und lernen während ihrer Entdeckungen sehr viel voneinander. Eine interessante Geschichte für ein weltoffenes Miteinander.

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