Josef-Schwarz-Schule – Kinder unterrichten Kinder

Eine erfolgreiche und innovative Lehr- und Lernmethode von Ellen Küttelwesch in der 4. Klasse der JSS
Foto: Phorms Education SE | 2017/2

„Ich möchte, dass die Kinder ein neues Gefühl für das Lernen bekommen und selbst das Gelernte erklären können“, sagt Ellen Küttelwesch. Die Grundschullehrerin an der Josef-Schwarz-Schule unterrichtet Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse. Normalerweise steht sie vor der Klasse und bringt den Kindern die deutsche Sprache mit all ihren Tücken bei. Doch für zwei Wochen ging es nun darum, den Schülern zu zeigen, wie die deutsche Sprache unterrichtet wird. 

„Ich habe ein Spiel gebastelt. Auf diesen kleinen Papierkarten sind Wörter. Die Schüler müssen jetzt beim Ziehen der Wörter schauen, ob es ein Nomen oder ein Pronomen ist. Wenn er richtig liegt, gibt’s einen Punkt“, erklärt die 9-jährige Lina.

Zum ersten Mal waren Lina und ihre Mitschüler für eine ganze Woche die Lehrer jeweils eines Schülers ihrer Parallelklasse. Rund 16 Unterrichtsstunden bereitete die „Snowie“-Klasse Unterrichtsmaterialien zum Thema Nomen und Pronomen vor. Fünf Einheiten lang konnten sie ihrem Schüler dann – anhand ihrer selbstentwickelten Unterrichtsmaterialien und meist auf spielerische Weise – das Thema näher bringen.

Am Ende sollten die Schülerkinder dann einen Test zu dem Thema absolvieren und einen Feedbackbogen zu ihrem Lehrerkind ausfüllen. Auch die Lehrerkinder mussten vor dem Unterrichten diesen Test absolvieren. Der Klassendurchschnitt der Lehrerkinder betrug dabei unglaubliche 94 Prozent. „Zu meinem Erstaunen war der Schnitt der Schülerkinder ebenfalls besser als herkömmlich. Die Lehrerkinder haben unglaubliche Arbeit geleistet. Bei den Schülerkindern betrug der Schnitt 92 Prozent“, erzählt Küttelwesch.

Auch die Motivation der Kinder sei während des Projektes unglaublich stark gewesen. Die Übertragung der Verantwortung auf die Lehrerkinder sei, anders als erwartet, ermutigend für die Schülerinnen und Schüler gewesen. „Ihr Lernen rückte dadurch in ein ganz anderes Licht. Ihnen war bewusst, dass sie nun dafür verantwortlich sind, was ein Kind ihrer Parallelklasse lernt oder nicht. Ein Kind sagte gleich zu Beginn des Projektes: ‚Aber das wäre jetzt echt unfair, wenn ich mich nicht anstrengen würde, weil mein Schüler kann ja nicht besser sein als ich. Ich muss ihm alles über das Thema beibringen, deshalb muss ich ganz genau Bescheid wissen.‘“ Nachdem dieses Pilotprojekt ein voller Erfolg war, möchte die Pädagogin ähnliche Projekte auch in den nächsten Jahren durchführen.

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