Der Weg nach Europa

Die Schüler Joshua und Felix haben mit syrischen Flüchtlingen in Steinbach über ihre Reise nach Deutschland gesprochen
Autoren: Joshua und Felix, 6. Klasse, Phorms Taunus Campus | 2016/2

Im März wurden im Rahmen einer Schülerinitiative des Phorms Taunus Campus mehr als 600 Euro gesammelt für Flüchtlingsfamilien, die zurzeit in Steinbach untergebracht sind.

Bei der Spendenübergabe hatten wir die Gelegenheit, die Flüchtlinge zu treffen und mit ihnen zu reden. In diesem Zusammenhang nehmen wir dich mit auf eine 40-tägige Reise nach Deutschland und erzählen dir von den Erfahrungen einer Frau und ihrer Tochter sowie zweier Brüder.
Ihre Erzählungen und diese freundlichen Menschen haben uns zu dem Schluss gebracht, dass Flüchtlinge Leute wie du und ich sind. Sie mussten ihre Familie und Freunde zurücklassen, nur weil gefährliche Politiker und Terroristen einen Krieg begonnen haben. Wir müssen ihnen dabei helfen, sich zu integrieren und unsere Nachbarn zu werden. Bitte helft uns dabei. Danke fürs Lesen und ein großes Danke­schön an alle, die uns für diese Geschichte netterweise von ihrer Flucht erzählt haben.

Vier Jahre nach Kriegsausbruch in Syrien

Eine Frau und ihre Tochter: Ich finde es schrecklich, wie Assad sein eigenes Land Syrien angreift und wie auch der IS Teile unseres Landes zerstört. Deshalb beschloss ich, mein Land mit meiner Tochter zu verlassen und nach Europa zu kommen. Bevor der Krieg begann, hatten wir ein Haus, ein Auto und genug Geld zum Leben. Als wir flüchteten, verloren wir alles und hatten nur ein Handy, etwas Geld und die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Zwei Brüder: Wir sind vor dem Krieg in Syrien geflüchtet. Nachdem wir in der Türkei 20 Tage vergeblich auf unsere Ausreise gewartet hatten, weil wir die Grenze nicht passieren durften, sind wir mit einem illegalen Boot über das Meer gesegelt.

Eine Frau und ihre Tochter: Wir waren in einem Boot und haben das Meer in Richtung Griechenland überquert. Wir sind dort gelandet und sind dann weiter zur mazedonischen Grenze gereist. Als wir dort ankamen, sahen wir ein Tor, das uns daran hinderte, in das Land zu gelangen. Nach vielen Versuchen schafften wir es aber schließlich, über das Tor zu klettern.

Zwei Brüder: Wir schafften es sicher über die Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. In Mazedonien mussten wir neben den Bahngleisen schlafen, um die Orientierung nicht zu verlieren.

Eine Frau und ihre Tochter: Wir sind einer großen Gruppe gefolgt, die wie wir vor dem Krieg flüchteten. Serbien konnten wir problemlos durchqueren und kamen dann in Ungarn an. Dort erlebten wir die schlimmste Zeit unserer Flucht nach Europa: Die Polizei wendete elektrische Waffen gegen uns an und war grausam zu uns. Als ich versuchte für meine Tochter und mich Essen zu kaufen, wurden wir abgewiesen, obwohl wir genug Geld hatten. Das Gleiche ist den meisten von uns passiert.

Zwei Brüder: Unsere schlimmste Zeit hatten wir in Serbien. Ungarn war nicht so schlimm, weil die Durchreise nur einen Tag dauerte.

Eine Frau und ihre Tochter: Wo sollten wir hin? Während wir in Ungarn warten mussten, hörten wir, dass viele nach Deutschland gehen wollten. Am Ende fuhren wir mit einem Bus nach Österreich und an der Grenze zu Deutschland nahmen wir einen Zug nach Frankfurt. Wir dachten nicht, dass wir dort bleiben können. Doch als wir in der Nacht ankamen, waren alle Leute sehr freundlich und wir wussten, dass das hier unser letzter Halt sein kann.

Zwei Brüder: Wir fuhren mit dem Bus nach Österreich. Dort machten wir eine kurze Pause und fuhren dann weiter nach Deutschland. Wir wissen, dass es schwer ist, ein neues Leben aufzubauen, aber die Freundlichkeit der Helfer hier macht es leichter.

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